Salzgitter

July 3, 2024 4:47 PM

In der Stadt Salzgitter leben derzeit etwa 107.000 Menschen auf einer Fläche von ca. 224 km2. Die Stadt ist in 31 Ortsteile unterteilt und weist daher eher die Struktur eines Landkreises auf. Es gibt überwiegend Industriearbeitsplätze, vor allem in den Bereichen Fahrzeug- und Maschinenbau, sowie der Elektronikbranche und der Stahlindustrie. In den letzten 15 Jahren haben sich auch verschiedene Logistikunternehmen angesiedelt. Im Jahr 2023 belief sich die Arbeitslosenquote insgesamt auf 9,5% – die der ausländischen Bevölkerung lag mit 23% weitaus höher.

Salzgitter hat eine lange Zuwanderungsgeschichte. Die Stadt ist seit den 1950er/1960er Jahren von Zuwanderung aus dem Ausland geprägt, in jüngerer Zeit auch durch Fluchtzuwanderung. So ist der Anteil ausländischer Bevölkerung von 8,8% im Jahr 2010 auf 22,5% im Jahr 2022 gestiegen. In Salzgitter leben Menschen aus über 120 Nationen. Besonders stark vertreten sind Menschen aus der Türkei, aber auch die Anteile von Menschen aus Rumänien, Polen und Bulgarien sind vergleichsweise hoch. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund liegt aktuell bei ca. 44%. Aufgrund der generell hohen Zuwanderung wird die Zuweisung von Geflüchteten nach Salzgitter in Absprache mit dem niedersächsischen Innenministerium lageangepasst derzeit begrenzt.

Die Stadt Salzgitter bietet unter dem Namen "Start in SZ" ein breites Angebot – von Sprachkursen bis zu Starthilfen in den Beruf – um Zugewanderten den Start in Salzgitter zu erleichtern. Ziel der Stadt ist es, die Arbeit in den Sozialräumen zu verstärken und dort verschiedene Fachdienste stärker zu verschränken. Anhand einer Sozialraumanalyse wurden sechs sogenannte Kontore identifiziert, die aufgrund ihrer Bevölkerungsstruktur besonderen Unterstützungsbedarf haben und in denen Menschen mit unterschiedlichen Bedarfen Teilhabe ermöglicht werden soll. Zwei dieser Kontore stehen als Untersuchungsgebiet für das Projekt zur Auswahl: das Seeviertel oder Steterburg.

In Steterburg lebten im Jahr 2022 2.786 Menschen, wovon ca. 57,5% einen Migrationshintergrund hatten – vorwiegend aus Rumänien und Bulgarien. Geflüchtete machen nur einen sehr kleinen Teil der Bewohner*innen aus. Seit 2015 wird Steterburg über das Städtebauförderungsprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ gefördert. Das Seeviertel liegt in Innenstadtnähe. Von den 10.480 Bewohner*innen haben 55,7% eine Migrationsgeschichte, 6,6% sind Geflüchtete. Während im Seeviertel Arbeitslosigkeit, Kinderarmut sowie der Anteil der Transferleistungen beziehenden Menschen im städtischen Durchschnitt liegen, sind sie in Steterburg im Vergleich zur Gesamtstadt überdurchschnittlich hoch.

Eine zentrale, für den Projektkontext relevante Herausforderung in Salzgitter betrifft die stärkere Einbindung von Bewohner*innen und Zivilgesellschaft. Um Bedarfe bestimmter Gruppen besser einschätzen zu können, sollen Angebote nicht nur besser bekanntgemacht, sondern die Bewohner*innen auch mehr einbezogen werden. Dafür soll verstärkt Kontakt zu zivilgesellschaftlichen Organisationen, insbesondere den Migrant*innenselbstorganisationen, gesucht werden. Auch verwaltungsintern sollen Schnittstellen gestärkt werden. Bislang findet fachdienst- und referatsübergreifende Zusammenarbeit eher punktuell und kaum institutionalisiert statt und soll insbesondere in den Kontoren stärker verschränkt werden.